Die Sperenberger Gipsbrüche
Böden » Niedermoor
Faules Luch  

An der Station 7 des Rundweges Sperenberger Gipsbrüche lernen Sie einen Bodentypen kennen, der unter andauerndem Wassereinfluss entstanden ist: Das Niedermoor; ein typischer Standort ist das Faule Luch.

Auslaugungsmulden  

Vor etwa 10.000 Jahren lagen mächtige Gletscherformationen über dem Gebiet des Sperenberger Salzstocks und verhinderten eine weitere Hebung (vgl. Station 2). Nachdem der bis dahin vollständig gefrorene Boden auftaute, bildeten sich neue Grundwasserleiter aus. Ansteigendes Grundwasser löste das Salz und schwemmte es ab, so dass um den Salzstock Hohlräume entstanden.

Der Oberboden sackte nach und es entstanden Mulden und Senken. Die Vertiefungen füllten sich mit Wasser (siehe folgend Abbildung 1).

Optimale Umweltbedingungen sorgten für den Aufwuchs u.a. von Schilf, Seggen und Rohrkolben. Die Biomasse aus den absterbenden Pflanzen reicherte sich an den Gewässerrändern an. Der Überstau mit Wasser verhinderte eine Zersetzung, so dass sich Torfe und Mudden (feine organische und anorganische Sedimente) an den Uferstreifen bilden konnten (Abb.2). Mit der Zeit vererden Torfbereiche und das Gewässer wird kleiner. Solche Verlandungsprozesse sind typisch an stehenden Gewässern. Jährlich können Torfschichten zwischen 0,1 und 5 mm wachsen. Die Intensität hängt vom Nährstoffangebot und der Wasserführung ab. Auf diese Art und Weise können Gewässer vollständig verschwinden.

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Im Zuge des intensiven Gipsabbaus in Sperenberg war es notwendig, den Grundwasserspiegel abzusenken, dies wirkte sich auch auf den Bereich des Faulen Luchs aus. Teile des Faulen Luchs und des Faulen Sees trockneten aus und das Moor begann zu schrumpfen. Es bildete sich eine Landzunge, die teilweise noch zu erkennen ist (Abb.3). Nach Einstellung des Gipsabbaus wurden die Grundwasserpumpen in den Gipsbrüchen abgestellt und der Grundwasserspiegel stieg an. Inzwischen verfügt das Faule Luch wieder über eine fast ganzjährig geschlossene Wasserfläche. Im Faulen See haben sich inzwischen auch Kiefern, Birken und Erlen angesiedelt, die so viel Wasser verbrauchen, dass der Verlandungsprozess im Faulen See ohne menschliche Hilfe nicht mehr gestoppt werden kann (Abb.4).

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Ursprünglich war Moor die niederdeutsche Bezeichnung für Meer. Später bezeichnete man den Sumpf, das mit Moos bewachsene Land, als Moor. Das Faule Luch ist ein Verlandungsmoor, das zu den Niedermooren zählt. Unterschieden werden Niedermoore nach der Art der Torfbildung. Es gibt Verlandungs-, Versumpfungs- und Kesselmoore. Im Gegensatz dazu gibt es noch die vom Regenwasser gespeisten Hochmoore.

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Spatenprobe  

Die flächenmäßig relevante Nutzung von Niedermooren begann in Brandenburg bereits zu Beginn des 18. Jh.. Es wurde versucht, neue Flächen für die landwirtschaftliche Nutzung zu gewinnen. Große Niederungsbereiche wurden mit Gräben durchzogen, um sie zu entwässern. Teilweise wurde sandiges Material aufgetragen und eingepflügt, um die lockeren Moorböden tragfähiger für Maschinen zu machen. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurden weitere große Flächen entwässert. Viele flachgründige Moorbereiche in Brandenburg sind inzwischen so stark degradiert, dass die Böden nicht mehr als Moore bezeichnet werden können.

Karte  

Niedermoore brauchen Schutz!

In Brandenburg sind von 220.000 ha Moorfläche etwa 21.000 ha nur gering entwässert. Davon können noch 2000 bis 3000 ha (ca. 1%) als ungestörte und wachsende Moore eingestuft werden. In den 1970er Jahren wurden umfangreiche Entwässerungsmaßnahmen durchgeführt, die alleine in Brandenburg zur Zerstörung von ca. 60.000 ha Moor geführt haben.

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Schematische Darstellung der Bodenentwicklung an einem Niedermoorstandort   Durch die Mineralisierung des Torfs werden hohe Nährstofffrachten freigesetzt, die benachbarte Gewässer und das Grundwasser überdüngen. Die Nutzungsintensivierung und Moorentwässerung sind weiterhin verbreitet. Eine Degradation, also eine Verschlechterung der Eigenschaften von Niedermooren, wird ihre landwirtschaftliche Nutzung langfristig gefährden.
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